

In dieser zweiteiligen Test-Reihe beschäftige ich mich mit Tiger Woods PGA Tour 11, der aktuellen Ausgabe des jährlich erscheinenden Golfspiels von Electronic Arts. Den Anfang macht die Version für Xbox 360 und PlayStation 3.

Während die Sportart Golf am Anfang nur den gut betuchten Menschen vorbehalten war, bieten heute viele Vereine gegen ein machbare Gebühr die Möglichkeit, selbst aufs Grün zugehen. Schwerer als die Regelkunde ist es jedoch, die richtige Schlagtechnik zu erlernen. Was in einer TV-Übertragung oder im Videospiel so leicht aussieht, ist in Wirklichkeit harte Arbeit und braucht sehr viel Übung. Nicht umsonst haben viele bekannte Golfer auch schon in jungen Jahren mit diesem Sport angefangen. Golf kann aber auch sehr beruhigend sein und wer es nicht so verbissen sieht, der wird auch viel Spaß haben dabei. Ich spreche da aus eigener Erfahrung.
Nun war der populärste Golfer aller Zeiten, Tiger Woods, in den letzten Monaten ungewollt in den Schlagzeilen geraten - wegen seiner unbändigen Lust, die aber nicht (nur) dem Golf gehörte, so dass man sich fragte, ob EA Sports überhaupt einen neuen Titel planen würde. Die positive Antwort kam schnell und eindeutig. Es zählt natürlich das Geschäft. Die Verkaufszahlen von Tiger Woods PGA Tour stimmen seit Jahren und das ist das wichtigste.
Nun sind Golf-Simulationen schon seit Jahrzehnten für alle Systeme programmiert worden. Neben ganz grausamen Versionen gab es viele gute wie z.b Jack Nicklaus, die Links-Reihe oder eben Tiger Woods PGA Tour. Letztere hat sich in den vergangenen Jahren durchgesetzt, was allerdings nicht so schwer war, da eine Konkurrenz nicht mehr existierte.
Nun stellt sich die Frage, wie viel Arbeit haben die Entwickler diesmal investiert - oder reichte es wie in den vergangenen Jahren nur zu einem kleinen, teuren Update?
Auch in Tiger Woods PGA Tour 11 ist es möglich, eine eigene Karriere zu starten, inklusive "PGA Tour" und "Fed Ex Cup". Per Editor kann man sich seinen Spieler zusammenbasteln. Wer möchte, kann sein eigenes Gesicht importieren (ja ich weiß, das gibt es schon lange). Dazu muss man ein Foto von vorn und von der Seite auf die EA Sports-Seite hochladen, anpassen und dann wird das Face automatisch berechnet. Dieser Vorgang dauert sehr, sehr lange, so dass man - überspitzt gesagt - in der Zwischenzeit die Biografie von Tiger Woods durchlesen kann. Das Ergebnis ist allerdings meistens ernüchternd. Wenn alles fertig gestellt ist, dann durchläuft man freiwillig ein Tutorial, um sich mit der Bedienung anzufreunden. Sinnvoll ist es, erst einmal seinen Golfer zu trainieren. Dafür stehen einige Übungen bereit, die sich nach und nach freischalten lassen. Für jeden Erfolg gibt es Punkte, die sich dann in Euren Attributen widerspiegeln.
In der letzten Version hatte man den Schwierigkeitsgrad wieder angezogen. Eigentlich unverständlich, da vor allem Einsteiger darunter zu leiden hatten - und übrigens sollte EA auch klar sein, dass die Tiger Woods-Reihe immer noch mehr in der Arcade-Ecke angesiedelt ist. Denn von einer wirklichen Simulation ist man noch weit entfernt. Das zeigt schon allein die Länge der bespielten Löcher. Wie schnell man die Entfernung mit zwei Schlägen geschafft hat, entbehrt jeder Realität.
Schlagen kann man wie immer mit dem Analog-Stick oder wahlweise mit der 3-Click-Steuerung. Leider gibt es mal wieder die bekannten Probleme: Wenn man das Ziel markiert hat, wo der Schlag hingehen soll (auch bei guten Attributen), dann geht er oftmals in eine andere Richtung, obwohl es windstill ist. Deshalb sollte man nicht blind vertrauen, sondern vorsichtig seinen Zielpunkt markieren. Beim Putten ist es, wer hätte das gedacht, wieder schwieriger geworden (auch schon im Beginner-Level). Neu ist, dass man sich bis zu dreimal ansehen kann, wie der Ball verläuft. Man darf während der Vorschau aber nicht die Linie selbst bestimmen. Das heißt, wer immer noch nicht so richtig weiß, wie er schlagen muss, der braucht schlichtweg Glück. Dazu setzt neuerdings die Putt-Vorschau bei einigen Löchern komplett aus.
Wie in jedem Jahr gibt es ein paar neue Kurse wie z.B. Celtic Manor Resort, The Greenbrier oder auch den TPC Scottsdale. Weitere Kurse sind natürlich gegen Geld herunterzuladen, was Sinn macht, denn EA Sports muss ja auch etwas verdienen. Da wir gerade beim Geld sind: In diesem Jahr sagt EA Sports dem Gebrauchtwarenmarkt den Kampf an. Auf der Rückseite des Innenheftes steht nämlich ein Code, der nur einmal zu gebrauchen ist. Diese Entwicklung wird es auch in den anderen EA Sports-Games geben. Hoffentlich ziehen die anderen Publisher nicht nach.
Der Online Modus hat sich gegenüber den Vorgänger nicht verändert. Ihr könnt immer noch an Turnieren teilnehmen, egal ob jetzt täglich, wöchentlich oder in monatlicher Form. Vom Amateur bis zum Pro Level gibt es viel zu spielen.
Was die Grafik betrifft, so ist auch in dieser Version festzustellen, dass Tiger Woods PGA Tour 11 keinen Schönheitspreis gewinnen wird. Zwar hat man in diesem Jahr bei EA Sports entdeckt, dass sich Wolken auch bewegen können (Kompliment), doch trotzdem sehen die Zuschauer, der Regeneffekt und die Kurse nicht sehr schön aus. Alles wirkt sehr steril, und das Kantenflimmern ist viel zu heftig. Das neue Feature, dass sich der Wind auch an der Kleidung zerrt, übersieht man sehr leicht. Schade, dass es sich bei den Entwicklern seit Jahren nicht herumgesprochen hat, dass es auch Golfcarts gibt. Da hat man sich mal wieder einer guten Chance zur Abwechslung beraubt. So bleibt es beim ewigen gescripten Vorgang. Die CPU-Gegner und ihre Schläge sieht man leider nicht. Ebenso wenig die Info zu den bestplatzierten Spielern. Stattdessen werden unwichtige Infos wie z.B. wie viele Birdies es bei diesem Loch gegeben hat, eingeblendet. Auf welcher Position man steht, erfährt man nach jedem Loch, wenn das Leaderboard erscheint. Leider sind meistens die CPU-Spieler schon am Ende angelangt, wenn Ihr gerade mal angefangen habt.
Die Neuerungen im Vergleich zum Vorgänger lassen sich an einer Hand ablesen: Das Wolken- und Wind-Feature, ein paar neue Kurse, der Ryder Cup sowie ein neues Trainingssystem.
Immer noch gibt es viele Fehler, ob jetzt in der Steuerung oder auch im Spiel selbst. Angehobener unfairer Schwierigkeitsgrad (Selbst als Beginner schon unnötig schwer zu putten).Die CPU-Logik ist fragwürdig, die Grafik durchschnittlich, die Präsentation insgesamt doch eher schwach. Von einer TV-Übertragung ist man noch weit entfernt. Und abseits des Gameplays herrscht tote Hose: Kein Golfcart, mit dem man über den Platz fegen kann, wenige Minispiele, die man absolvieren darf. Leider ist das Spiel noch dazu auf English.
Fanatische Tiger Woods PGA Tour-Fans kaufen dieses Game trotzdem wie immer blind. Wer den Vorgänger hat, kann allerdings ruhig auf Tiger Woods PGA Tour 12 warten.
Doch es gibt Hoffnung: Denn im zweiten Teil meines Tests nehme ich die Wii-Version unter die Lupe.
Kommentare
Auch wenn ich diese Art Spiel
4. August 2010 - 11:05 — DarkVampAuch wenn ich diese Art Spiel niemals anfassen würde => Tolles Review wie immer.